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Weitersdorfer Kärwaboum

 

1988 entstand der Gedanke die Kärwa selbst durchzuführen.

Cirka 30 Frauen und Männer trafen sich in der Gaststätte Burk in Kastenreuth um die Gründung des Vereines zu besprechen.

Am ersten Septemberwochenende 1988 war es dann soweit, die erste Kärwa musste selbst ausgerichtet werden. Nicht nur die Getränke mussten organisiert werden, sondern auch die Küche, die Musik, sowie eine Bar. Trotz Regen wurde die Kärwa ein voller Erfolg. Heute haben die Kärwaboum schon Routine.

 

Die Kärwa in Weitersdorf

Wie war die Kärwa eigentlich früher?

In dem Büchlein “Roßtaler Geschichten” veröffentlichte Wilhelm Fehn - ein gebürtiger Weitersdorfer - seine nachfolgenden Erinnerungen an die Weitersdorfer Kärwa, wie sie nach dem Krieg war:

“In Weitersdorf nahm das Kirchweihfest einen ganz anderen Verlauf als in Roßtal. Dort wurde viel altes Brauchtum lebendig erhalten. Den “Kärwabam” holten die Burschen schon am Vortage mit einem gewissen Zeremoniell ein. Die Mädchen flochten in vorfestlicher Freude den dazugehörigen Fichtenkranz. Damit geschmückt stellten ihn dann die Burschen am Dorfplatz auf. Die Küchlein, die so wunderbar schmeckten, wurden ebenfalls einen Tag vorher in Butterschmalz gebacken und mit Puderzucker bestreut. Am Kirchweihsonntag war dann frühmorgens, festlicher Gottesdienst im kleinen Kirchlein. Das war bereits der erste Höhepunkt, denn sonst ging man nach Roßtal zur Kirche.

Am frühen Nachmittag, so um zwei Uhr herum, fuhr dann ein mit Birkenbäumchen und bunten Bändern geschmückter Wagen, von herausgeputzten Pferden gezogen, mit der weiblichen Dorfjugend, von einer Dorfgemarkungsgrenze bis zur anderen. Am Ortseingang gesellte sich bei der Rückfahrt, ein ebenfalls sorgfältig geschmücktes Ochsengespann hinzu, das ein Wagenrad mit zwei Sitzen zog, das schräg auf eine Pflugschleife aufmontiert war. Auf diesem Rad saßen zwei kostümierte Dorfburschen, meist Kleinknechte, denen es mit der Zeit fast die Seele aus dem Leib herausdrehte, da es ständig um die eigene Achse ging und zusätzlich noch auf und ab rotierte. Hinter dem originellen Fahrzeug gingen die Burschen her, ihnen folgten die Kinder die den Schluß bildeten und sich dieses Schauspiel nicht entgehen ließen. Am Dorfplatz vor der Wirtschaft angekommen, stieß die Musikkapelle dazu. Nun sangen die jungen Burschen von der Musik begleitet lustige Kirchweihliedchen und das gegenseitige Aussingen begann, da wurde so mancher “derbleckt”.

Dazwischen juchzten sie und hüpften auf einem Bein. In der Hand hielt jeder von ihnen, entweder einen Rechen, eine Gabel oder eine Harke, die sie beim Hüpfen, seitwärts in die Höhe stemmten. Bezeichnend war, daß sie mit den Geräten mit denen sich der Bauer sein Brot verdiente, auch am Festplatz erschienen. Anschließend setzte sich der Zug in Bewegung.

Nun suchte man das vom Wirt gespendete Faß Bier. In halber Bergeshöhe auf einem Ranken wurde dieses Faß gefunden. Da spielte die Musik auf und ein Freudengesang drang lautstark durch die Gassen. Man legte es hinten auf den Wagen der Mädchen und zapfte es sofort an. Aber, o weh, es floß nur Wasser heraus und kein Bier. Enttäuscht wurde weiter gesucht, bis schließlich aus einem anderen Versteck das richtige Faß entdeckt wurde. Bis der Zug wieder am Dorfplatz eintraf, war es leergetrunken.
Die jüngeren Leute strömten nun hinauf auf den Tanzboden und es wurde zu den Klängen der Blechmusik, kräftig das Tanzbein geschwungen. Die Älteren Semester nahmen unten in der Gaststube Platz und überall war viel Freude und Sonnenschein. Von einer Rauferei habe ich, im Gegensatz zur Nachbargemeinde Roßtal, nie etwas gehört. Gegen Abend ließ sich so mancher gestandene Bauer, von der Musik heimspielen. Zu diesem Zweck verließ sie für kurze Zeit den Tanzboden und spielte auf C-Trompete, Klarinette, Horn und Baß eine fränkische Weise. Der Bauer schritt sichtlich stolz, in aufgekratzter Stimmung, seinem Gehöft entgegen. Das zählte zu seinen kleinen Freuden die er sich einmal im Jahr gönnte. Der Taler, den die Musikanten dafür bekamen, hat ihn nicht gereut. Für die Kinder waren einige Süßigkeitenstände aufgebaut und ein Karusell, das man noch von Hand anschieben mußte. Meinen Freunden zuliebe, die sich damit ein paar Freikarten verdienen wollten, habe ich das Karusell mit angeschoben, obwohl ich wußte, daß mir jedesmal schlecht wird, sind wir, wie die Ochsen am Brunnen, immer im Kreis herumgerannt.”

Nachdem 1988 die Wirtsleute in Weitersdorf nicht mehr bereit waren die Kärwa auszurichten mußten wir uns etwas einfallen lassen. Die Kärwaboum faßten den Entschluß die Kärwa in eigener Regie durchzuführen. Es wurde ein Festausschuß gegründet, der sich um die Organisation kümmern sollte.

Schon während der Vorbereitungszeit für die Kärwa 1988 wurde immer wieder über eine Vereinsgründung beratschlagt. Als “loser Haufen” die Kärwa das erste Mal durchzuziehen, war vielen nicht ganz geheuer. Deshalb setzten sich im April 1988 30 Kärwainteressierte bei der “Anna” in Kastenreuth zusammen und gründeten den “Weitersdorfer Kärwaboum e.V.”. Man verpflichtete sich zur Pflege der alten Sitten und Gebräuche, sowie der Kameradschaft und geselligen Unterhaltung. Als neuer Kärwastandort wurde von der Familie Sust die Scheune am Südring zur Verfügung gestellt.

Am Samstag, den 3. September 1988 gegen 16.30 Uhr fiel der Startschuß: Der neue Kärwabaum stand an seinem neuen Standort. Viele der Besucher äußerten sich immer wieder über die gelungene Organisation, die gemütliche Atmosphäre und die Freundlichkeit aller Beteiligten. Auch das verregnete Wochenende konnte dem Erfolg für den jungen Verein und dem fränkischen Brauchtum nichts anhaben. Ebenso war die notwendige Unterstützung durch die Bevölkerung da.

Die Mitgliederzahl hat sich nach 10 Jahren verdoppelt.

Natürlich haben die “modernen Zeiten” auf die Kärwa ihren Einfluß genommen, früher war es wohl romantischer, aber unser Verein tut sein möglichstes um die alten Bräuche zu erhalten.